Lebendige Texte erzeugen Bilder im Kopf

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Heute: Aus dem Texterherz geplaudert

Kennen Sie das auch? Sie lesen einen Roman, der Sie so richtig fesselt und den Sie trotz vorgerückter Stunde nicht weglegen können? Irgendwann, Monate später, schauen Sie sich den Film dazu im Kino an. Und stellen fest: Der Film kommt an das Buch nicht heran.

Warum das so ist? Worte haben eine unschätzbare Macht. Sie lassen innere Bilder im Kopf entstehen und aktivieren unsere Vorstellungskraft. Je nachdem, ob sie für uns positiv oder negativ besetzt sind, wecken sie entsprechende Gefühle in uns. Bilder wiederum bestimmen, woran wir uns erinnern, wie wir uns an etwas erinnern und beeinflussen schließlich die Entscheidungen, die wir treffen.

Probieren wir es aus: Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich auf einer ruhigen Karibikinsel mit hohen Kokospalmen, weißem Sandstrand und einem wolkenlosen Himmel.

Welches Bild haben Sie vor Augen? Wie fühlen Sie sich bei dieser Vorstellung?

Jeder der wirbt, in seinem Flyer, auf seiner Webseite – wo auch immer, sollte mit Sprache Bilder produzieren und damit Gefühle auslösen.

Achtung Beispiel: Anstatt mit bildhafter Sprache zu arbeiten, greift die kreative Zunft gerne auf Phrasen wie diese zurück:

„Mit Leidenschaft und Erfahrung entwickeln wir zielgruppenorientierte, maßgeschneiderte Lösungen für komplexe Kommunikationsaufgaben.“

Puh, welches Bild entsteht in Ihrem Kopf?

Das Problem: Der Satz ist alles andere als lebendig, in der Aussage eher belanglos und bleibt eine leere Hülse, die nichts auslöst. Der Nominalstil macht ihn schwerfällig. Wir werden überfrachtet mit Adjektiven wie komplex, maßgeschneidert und zielgruppenorientiert. Diese sind ziemlich gebräuchlich, aber auch ziemlich plump, oder?

Mein Vorschlag: Verzichten Sie auf gestelztes Marketing-Blabla und die üblichen Phrasen. Beschreiben Sie die Dinge, wie Sie sind. Erzählen Sie doch einfach, was Sie machen. Wählen Sie Worte, die konkret und einleuchtend, dynamisch und leicht zu verstehen sind. Bleiben Sie in Ihren Aussagen authentisch und inszenieren Sie sich so wenig wie möglich. Genau das kommt an.

Noch ein Hinweis: Auch wenn alle anderen aus der Branche einem gewissen Stil folgen, muss dieser noch lange nicht gut sein. Machen Sie sich frei davon. Heben Sie sich vom Standard ab. Ihre Zielgruppe wird es Ihnen danken. Und wenn ich Ihnen eines verraten darf: Nirgendwo wird so gerne abgeschrieben, wie innerhalb des eigenen Segments. Etwas anders zu machen, bedeutet auch, die Komfortzone zu verlassen. Aber ich bin davon überzeugt, dass es sich lohnt.

Übrigens: Wenn Sie Ihre Texte auf heiße Luft hin überprüfen wollen, testen Sie doch mal das Blabla-Meter: www.blablameter.com – und je nach Ergebnis, melden Sie sich gerne. Damit wir Ihre Texte besser machen.

Übrigens II: Mit dem obigen Satzbeispiel erzielte ich einen Bullshit-Index von 1.36 mit folgendem Kommentar:
Glückwunsch, Ihnen ist es tatsächlich gelungen, unsere Bullshit-Skala von 0 – 1 zu sprengen! Diesen Text tut sich ein Leser wohl nicht freiwillig an, aber uns haben Sie beeindruckt. 🙂